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Gütesiegel Praktikum

AK, ÖGB, ÖH & SGKK kämpfen gegen einen arbeitsrechtlichen Graubereich. Denn nicht alle Praktikantinnen und Praktikanten finden am Arbeitsplatz faire Bedingungen vor.

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Das heißt: viel Arbeit für wenig oder kein Geld. Aus diesem Grund rufen die Arbeiterkammer (AK), der Gewerkschaftsbund (ÖGB), die österreichische Hochschülerschaft (ÖH) und die Salzburger Gebietskrankenkasse (SGKK) das „Gütesiegel Praktikum“ ins Leben. „Wir möchten für mehr Fairness und Gerechtigkeit für Praktikantinnen und Praktikanten sorgen“, so AK-Präsident Peter Eder, der gleichzeitig alle Betriebe in Salzburg einlädt, bei der Initiative mitzumachen. Als erstes Unternehmen folgte Porsche Holding Österreich dem Aufruf und setzt somit ein starkes Zeichen für faire Praktikumsplätze.


Die meisten Schul- und Studienpläne schreiben ein Pflichtpraktikum vor, wobei die jungen Leute dann leider teilweise als billige Arbeitskräfte ausgenützt werden. Das Problem: Diese Art von Jobs ist kaum gesetzlich geregelt. Dadurch wird dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Mit dem „Gütesiegel Praktikum“ wollen AK+ÖGB gemeinsam mit ihren Partnern für mehr Fairness und Gerechtigkeit in diesem arbeitsrechtlichen Graubereich sorgen.


„Die Bedingungen am Praktikumsplatz dürfen nicht dem Markt überlassen werden“, betont AK-Präsident und ÖGB-Landesvorsitzender Peter Eder, der alle Unternehmen in Salzburg einlädt, das Gütesiegel schnell und unbürokratisch zu beantragen. „Nur gemeinsam können wir es schaffen, dass die Fachkräfte von morgen, schon heute beste Rahmenbedingungen für ihre berufliche Entwicklung vorfinden.“

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Ein Wegweiser für faire Praktika

„Mit dem jeweils auf 3 Jahre vergebenen Gütesiegel wollen wir zur Qualitätssicherung der Praktika beitragen“, sagt Felix Klein, Vorsitzender der ÖH Salzburg. „Das Gütesiegel soll ein Wegweiser für alle Studierenden und Schüler sein, die auf der Suche nach qualitativ hochwertigen Praktikumsstellen sind.“


Um das Gütesiegel zu erhalten, müssen Unternehmen bestimmte Kriterien erfüllen. Dazu zählen u.a. ein schriftlicher Praktikumsvertrag, eine zeitliche Beschränkung, die Übereinstimmung der Aufgaben mit dem Bildungsziel, eine adäquate Betreuungsperson, die Bereitstellung der Betriebsmittel und die Anwendung kollektivvertraglicher Regelungen. Vor allem letzteres ist Andreas Huss, Obmann der Salzburger Gebietskrankenkasse, ein großes Anliegen: „Praktikantinnen und Praktikanten müssen kollektivvertraglich entlohnt werden. Nur so können wir in diesem Bereich Lohn- und Sozialdumping den Kampf ansagen.“


Zur begleitenden Qualitätskontrolle werden die Praktikanten am Ende ihres Praktikums befragt. „Mittels Fragebogen überprüfen wir dann, ob das Unternehmen die Kriterien tatsächlich erfüllt hat“, sagt Stephanie Posch von der AK-Abteilung Bildung, Jugend und Kultur. „Davon abhängig wird das Gütesiegel für 3 weitere Jahre verliehen.“


Info

Nähere Details zu den Kriterien und dem Bewerbungsablauf finden Sie auf der Webseite der AK Salzburg


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Porsche Holding Österreich mit an Bord

„Vom Gütesiegel profitieren auch Unternehmen“, ist sich ÖGB-Landesgeschäftsführerin Heidi Hirschbichler sicher. „Bei dieser Initiative bekommen Firmen die Möglichkeit, die Fachkräfte von morgen auf das Unternehmen aufmerksam zu machen und sich als guter Arbeitgeber zu positionieren. Eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“

Um flächendeckend bessere Bedingungen bei Praktika zu erreichen, sind die Initiatoren des „Gütesiegels Praktikum“ auf der Suche nach Aushängeschildern für faire Praktikumsplätze. Bereits jetzt schon fix mit dabei ist Porsche Holding Österreich.

 

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AK fordert: Pflichtpraktika nur als echtes Dienstverhältnis

Die rechtliche Grauzone bei Praktika besteht vor allem darin, dass ein echtes Dienstverhältnis umgangen werden kann, wenn der Ausbildungszweck in den Vordergrund gestellt wird und nicht die Erbringung einer Arbeitsleistung.


„Wir fordern deshalb, dass alle Pflichtpraktika nur im Rahmen eines echten Dienstverhältnisses und mit Sozialversicherungspflicht zulässig sein sollen“, sagt Peter Eder. „In Lehr- und Studienplänen sollen auch nur solche Praktika anerkannt und angerechnet werden.“ Weiters fordert die AK ein Gesetz, das schriftliche Praktikumsverträge und faire Löhne verpflichtend vorschreibt. „Bis diese Forderungen erfüllt sind, basiert das Gütesiegel auf freiwilliger Basis. Doch ich bin mir sicher, dass sich noch viele Unternehmen finden werden, die sich dieser gesellschaftlichen Verantwortung stellen und mit ihrer Teilnahme ein starkes Zeichen für faire Arbeitsbedingungen setzen.“